BDSM-Lexikon · Praktiken & Techniken
Was bedeutet Wachsspiele beim BDSM?
Sicherheit: Nur Kerzen mit niedriger Schmelztemperatur verwenden, Wachs zuerst an der eigenen Hand testen, Feuerquelle nie unbeaufsichtigt lassen.
Bedeutung
Bei Wachsspielen – englisch Wax Play – wird warmes, flüssiges Kerzenwachs auf die Haut getropft oder gegossen. Der kurze Hitzereiz, gefolgt vom Gefühl des erkaltenden Wachses, wird je nach Temperatur, Menge und Körperstelle als prickelnd, wohlig oder intensiv erlebt. Wachsspiele gehören zum Sensory Play, also zu den Spielen mit gezielten Sinnesreizen, und werden oft mit einer Augenbinde kombiniert, damit jeder Tropfen überraschend kommt.
Warum die Kerze entscheidend ist
Der wichtigste Punkt bei Wachsspielen ist das Wachs selbst. Verschiedene Wachssorten schmelzen bei sehr unterschiedlichen Temperaturen:
- Spezielle Kerzen für Wachsspiele (oft als „BDSM-Kerzen“ oder „Massagekerzen mit niedrigem Schmelzpunkt“ angeboten) werden schon bei vergleichsweise niedriger Temperatur flüssig und sind für die Haut gedacht.
- Paraffin aus gewöhnlichen Haushaltskerzen ist je nach Zusammensetzung deutlich heißer.
- Stearin- und Bienenwachskerzen schmelzen erst bei höheren Temperaturen und können Verbrennungen verursachen.
- Duft- und Farbkerzen können Zusätze enthalten, die die Haut reizen oder die Temperatur verändern.
Verwende deshalb nur Kerzen, die der Hersteller ausdrücklich für die Anwendung auf der Haut vorsieht, und halte dich an dessen Hinweise.
Wie der Reiz gesteuert wird
Die Wirkung lässt sich über mehrere Dinge beeinflussen:
- Fallhöhe: Je höher die Kerze gehalten wird, desto mehr kühlt der Tropfen auf dem Weg ab. Viele beginnen weiter oben und tasten sich langsam heran.
- Menge: Einzelne Tropfen fühlen sich anders an als ein Rinnsal.
- Körperstelle: Rücken, Schultern und Oberschenkel gelten als weniger empfindlich als Bauch, Innenseiten der Arme oder Brust.
- Haut: Ein dünner Film aus Körperöl erleichtert später das Entfernen, ist aber brennbar – Öl und offene Flamme sollten nicht zusammenkommen.
Vor jedem Spiel gilt: Wachs zuerst an der eigenen Hand oder am eigenen Unterarm testen.
Tabus und Sicherheit
- Nicht auf Gesicht, Augen, Schleimhäute, frisch rasierte, gereizte oder verletzte Haut.
- Nie die Flamme in Hautnähe – nur das flüssige Wachs gehört auf den Körper.
- Brandschutz: feuerfeste Unterlage, nichts Brennbares in der Nähe, Haare zusammenbinden, Wasser oder eine Löschdecke bereithalten, Kerzen nie unbeaufsichtigt lassen.
- Kommunikation: Hitze wird sehr unterschiedlich empfunden. Regelmäßig nachfragen, etwa mit dem Ampelsystem.
- Bei Verbrennungen: sofort mit lauwarmem, nicht eiskaltem Wasser kühlen; bei Blasen, großflächigen oder starken Verbrennungen ärztliche Hilfe holen.
Wachsspiele mit verbundenen Augen oder in Kombination mit Fesseln erhöhen den Reiz, aber auch die Verantwortung der aktiven Person: Die gefesselte Person kann sich der Hitze nicht entziehen.
Nach dem Spiel
Erkaltetes Wachs lässt sich meist abziehen oder vorsichtig mit einer Karte von der Haut schaben; Reste an Haaren lösen sich mit etwas Öl. Danach tut eine pflegende Lotion gut. Wie bei jeder Szene gehört Aftercare dazu – und ein kurzer Blick darauf, ob die Haut gerötet ist.
Häufige Missverständnisse
- „Jede Kerze ist geeignet.“ Nein – genau hier passieren die meisten Verletzungen.
- „Wachsspiele sind nur etwas für Masochisten.“ Für viele ist der Reiz eher sinnlich als schmerzhaft.
- „Je näher, desto intensiver – also besser.“ Nähe erhöht vor allem das Verbrennungsrisiko; Intensität lässt sich auch über Rhythmus und Erwartung erzeugen.
Bei sehr heißem Wachs, offenen Flammen auf der Haut oder ähnlichen Experimenten bewegt man sich schnell im Bereich von Edge Play. Für den Einstieg reichen die richtige Kerze, Ruhe und Aufmerksamkeit füreinander.
Verwandte Begriffe
- Sensory Play Sensory Play (Sinnesspiele) arbeitet mit gezielten Reizen für Haut und Sinne: Federn, Eiswürfel, warme Hände, raue oder weiche Stoffe, ein Wartenberg-Rad.
- Edge Play Edge Play bezeichnet Praktiken mit deutlich erhöhtem körperlichem oder psychischem Risiko – Spiel an einer Grenze, an der sich auch erfahrene Menschen bewusst für ein verbleibendes Risiko entscheiden.
- Aftercare Aftercare (Nachsorge) ist die Zuwendung nach einer Session: körperlich, etwa durch Wärme, Wasser, eine Decke oder das Versorgen kleiner Blessuren, und emotional, durch Nähe, Gespräche oder einfach Ruhe.
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